Der kleine Fellfreund

Ein Hund im Kindergarten…
Pädagogische Arbeit mit Hunden soll emotional, kognitiv und sozial stützen sowie fördern. Dabei sind Tiere herausfordernde und konsequente, aber auch geduldige Lehrer. Sie nehmen die Stimmung der Kinder sehr schnell wahr und spiegeln diese im eigenen Verhalten wieder. In gewünschter Weise reagieren sie nur auf klares und eindeutiges Verhalten. Durch Hunde lernen Kinder eigene Wünsche zu spüren, sie klar zu formulieren, eigene Grenzen zu setzen, aber auch die Grenzen des Tieres zu akzeptieren. Die eigene und die Fremdwahrnehmung werden geschult und neue Verhaltensmuster können ausprobiert werden. Im vorsichtigen, sensiblen, spielerischen und professionell begleiteten Umgang mit dem Hund wird eine ganzheitliche Förderung erzielt.

Durch den Kontakt mit dem Hund sollen die Kinder auf vielfältige Art und Weise angesprochen werden. Insbesondere die in der Kindertagesstätte schwerpunktmäßigen Förderbereiche der Wahrnehmung, Motorik, Sprache, phonologischen Bewusstheit, numerischen Grundlagen, Sozialkompetenz und der Aufmerksamkeit sollen durch den zielgerichteten Hundeeinsatz gefördert werden.

Die Ziele eines Hundeeinsatzes in unserer Einrichtung können sein:

  • Körpersprache und Verhaltenskunde zum Hund (die Kinder werden für die Körpersprache des Hundes sensibilisiert, was auch zu einer größeren Aufmerksamkeit bezüglich der Mitmenschen führt. Allgemein ist das Heranführen an den richtigen Umgang mit Hunden (auch Bissprävention) zu sehen).
  • Stärkung des Selbstwertgefühls (Verantwortung übernehmen, übertragene Aufgaben erfolgreich lösen.)
  • Sozialkompetenz und Empathie (Grenzen kennenlernen, setzen und akzeptieren. Was mag der Hund, was nicht? Was möchte ich? Was möchte ich nicht?)
  • Emotionale Ansprache (über körperliche Nähe des Tieres bekommt das Kind ein Gefühl von Wärme, Vertrauen, Sicherheit, Annahme, aber auch Akzeptanz und Verständnis zu dem fühlenden Tier.)
  • Integration (durch das gemeinsame Interesse am Hund kann es den Kindern leichter fallen, untereinander in Kontakt zu treten, zudem treten Tiere dem Menschen gegenüber vorbehaltslos entgegen.)
  • Sinneswahrnehmung (Fühlen, Riechen, Sehen und Hören von Hunden verschafft neue Reize)
  • Kommunikation/ Sprache und phonologische Bewusstheit (Anregung zu Gesprächen mit dem Hund und dem Betreuer des Tieres sowie Gesprächsanlass innerhalb der Gruppe. Die Kinder achten auf eine deutliche Aussprache, da der Hund darauf besser reagiert. Der Hund bewertet nicht, er ist ein geduldiger Zuhörer. Sprechhemmungen können abgebaut werden).
  • Numerische Grundlagen (die Thematik Hund bietet vielfältige, spielerische Anlässe im Umgang mit Zahlen und Mengen)
  • Motivation (Hunde stellen eine große Motivation dar, auch ungeliebte Tätigkeiten (schneller) zu erledigen oder neue Dinge zu erlernen)
  • Motorik (durch den Kontakt mit dem Hund wird die Motorik immer mit geschult, gezielte Bewegungsaufgaben können neue Ressourcen und Bewegungsabläufe bei den Kindern wecken)
  • Aufmerksamkeit – diese wird in allen zuvor genannten Zielen immer mit angesprochen. Sich aufmerksam einer Aufgabe zuwenden zu können oder Aufmerksamkeitsspannen zu erhöhen ist eine wichtige Entwicklungsaufgabe im Rahmen des Kindergartenalltags. Egal was mit dem Hund angeboten wird, insofern das Kind offen für dieses Angebot ist und keine Kontraindikationen für den Hundeeinsatz vorliegen, wird dieser automatisch auch immer die Aufmerksamkeit des Kindes haben.

Beispielhafte Inhalte von Aktivitäten einer aktiven Einheit mit Hund könnten sein:

  • Förderung der Feinmotorik durch das Herstellen von Hundespielzeug; welches der Hund später zusammen mit den Kindern ausprobiert.
  • Die Grobmotorik kann durch das Nachahmen von Hundebewegungen gefördert werden.
  • Auge-Hand-Koordination wird durch das Aufnehmen von Spielzeug oder Leckerlis für den Hund mit verschiedenen Gegenständen und dem Positionieren in verschiedenen Ablageorten gefördert.
  • Die Kraftdosierung muss beim Hund-Formenkneten  stimmen.
  • Taktile Stimulation findet mit jedem Streicheln statt.
  • Auditive Stimulation erfolgt, wenn man hört wie sich die Hundepfoten auf unterschiedlichen Untergründen anhören oder das Kind die Augen verschlossen hat und hören muss, wo sich der Hund im Raum bewegt.
  • Im Umgang mit Hunden wird die Frustrationstoleranz automatisch geschult, wenn der Hund nicht das macht, was das Kind möchte.
  • Die Kinder kommen durch den ungezwungenen, entspannten Umgang mit dem Hund in einer gemütlichen Atmosphäre leichter zur Ruhe.
  • Verhaltenskunde zum Tier und Bissprävention finden spielerisch bei jedem Hundekontakt statt, indem das Hundeverhalten, sein Körperbau oder sein wölfisches Erbe erklärt wird, Regeln wiederholt und Vergleiche angestellt werden.
  • Kommunikationsanlässe bieten Hundeeinsätze immer. Eine gezielte Förderung kann durch Gesprächsanlässe zum Hund stattfinden (Aussehen, Rasse, Charakter, wo der Hund aktuell ist (Präpositionen), wie viele Beine er hat oder wie alt er ist (numerische Grundlagen) etc.).

(Quelle: Hunde inKita und Vorschule, Kahlisch Markgraf& Grünig)